Die Yamas & Niyamas – ethische Richtlinien für unser Leben

Die Yamas und Niyamas / Teil 1

 

…das ist das Jahresthema für mich und meine KursteilnehmerInnen.

Diese 10 Ethik-Regeln, die unser Leben auch außerhalb der Yogamatte geschmeidiger machen sollen, gehören zum klassischen Yogaweg.

Zu den Anatomischen-, Asanafokussierten- und Selbstreflexionsthemen in meinem Unterricht gibt es nun auch häppchenweise Yogaphilosophie und ich versuche die einzelnen Regeln alltagstauglich vorzustellen. So können wir auch im Alltag versuchen Yoga zu leben und nicht nur auf der Matte gut aussehen:)

Wer sofort eine Abneigung gegen das Wort Regeln verspürt, benutze lieber das Wort Vorschläge. Vergleiche zu den 10 Geboten im Christentum sind nicht von der Hand zu weisen. Wer damit schlechte Erfahrungen gemacht hat, kann vielleicht nun im Yoga ganz gelassen und nochmal neu an die Sache herangehen und einfach schauen, welche der Punkte Resonanz erzeugen und inwiefern es sinnvoll erscheint, dass sie im eigenen Leben mehr Raum bekommen.

Was mich immer wieder am Yoga begeistert, ist diese Gültigkeit der alten Texte über so viele hunderte, ja tausende Jahre. Daraus spricht eine Weisheit, ein Wissen um die Dinge, die ich bei neueren Erkenntnissen oft nicht sehen kann. Vieles ist sehr spannend, bleibt dann aber oft fragmentarisch und wenig ganzheitlich.

Die Yamas und Niyamas stammen aus den Yoga Sutras von Patanjali (Erscheinungszeit so ca. 400 – 200 v.Chr.!) und haben also schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und jede Menge Interpretationen und Übersetzungen zu bieten.

Es ist DAS Sammelwerk in Versen über den Yogaweg. Ein Teil des Yogaweges ist der achtstufige Pfad, also eine Wegbeschreibung in 8 Punkten an deren Ende die Erleuchtung/ Befreiung/ Selbstverwirklichung steht.

Die ersten beiden Punkte sind:

  1. die Yamas
  2. die Niyamas

 

Bemerkenswert ist, dass Asanas und Pranayama erst an Stelle 3 und 4 kommen…das heißt also, die Yamas und Niyamas dienen im Grunde der Vorbereitung des Aspiranten für den weiteren Weg.

Es gibt 5 Yamas, das sind die Regeln im Umgang mit anderen und unserer Umwelt und 5 Niyamas, die den Umgang mit uns selbst im Fokus haben.

Die ersten beiden Yamas Ahimsa und Satya möchte ich heute mit meinem eigenen Verständnis wiedergeben.

Ahimsa – Nicht-Verletzen, Gewaltlosigkeit

Es ist wohl das bekannteste aller Yamas und irgendwie auch das wichtigste. Ein friedlicher Geist und Taten des Friedens und des Wohlwollens schaffen wiederum ein friedliches Umfeld und damit den Nährboden für alles andere. Wir wollen Ahimsa in Gedanken, in Worten und Taten umsetzen.

Und auch wenn die Yamas eigentlich den Umgang mit anderen regeln wollen, ist es meiner Meinung nach unheimlich wichtig immer bei uns selbst anzufangen. Innerer Frieden und liebevoller Umgang mit uns selbst ermöglicht uns erst auch so mit anderen Menschen umzugehen.

Ich sehe es als lebenslange Aufgabe uns zu beobachten, wie wir mit uns umgehen, gerade in Gedanken („Stell dich nicht so an…“;  „Wann kapierst du das endlich?“ „Ich war schon immer …!“ usw.) und wann wir diese zerstörerischen Muster auch auf andere anwenden, meist unbewusst – aber das macht es ja nicht besser. Yoga ist auch das Lernen von Bewusstheit und Achtsamkeit für das was wir denken und tun.

Wie gesagt: lebenslang.

Ahimsa ist die liebevolle Erinnerung daran freundlich zu sein, das Gute in uns und im Anderen zu sehen, unseren Planeten und alles Lebende zu schützen – so gut wir eben gerade können. Es ist auch die freundliche Aufforderung immer weiter zu schauen, was wir noch tun können um ein friedliches Ambiente für uns und alle Mitmenschen zu schaffen. Das kann im Kleinen oder im Großen geschehen.

 

Satya – Wahrheit, Wahrhaftigkeit, wahre Natur

Ehrlich zu sich selbst und zu anderen zu sein ist die nächste Stufe auf der Leiter, wobei die Stufen hier nicht hierarchisch zu sehen sind, alle greifen ineinander, können nebeneinander oder nacheinander betreten werden.

Und was ist eigentlich wahr? Das, was wir täglich in Nachrichten, von Lehrern, von Freunden, von Wissenschaftlern, in Büchern, in Zeitschriften oder bei Facebook hören, sehen oder lesen? Das, was wir fühlen oder was wir denken?

Die Suche nach der Wahrheit ist eine große Aufgabe, die Suche nach der wahren Essenz, nach dem was bleibt, wenn alle veränderlichen Erscheinungen weggefallen sind.

Die Suche kann wieder bei uns selbst beginnen. Ich versuche mich nicht zu belügen, mich selbst so zu akzeptieren, wie ich in diesem Moment eben gerade bin – puh…das ist schon eine Leistung!

Dann geht es weiter: Ich kann dazu übergehen Situationen einfach so wahrzunehmen wie sie gerade sind und nicht mit Erinnerungen/ Erklärungen/ Behauptungen/ Projektionen/ übermalen. Dann kann ich irgendwann vielleicht auch andere Menschen einfach so sehen wie sie sind…nächstes Puh!

„Die Wahrheit kann manchmal weh tun!“ – das ist definitiv kein Satz aus dem Yoga und wenn wir Ahimsa und Satya leben wollen, dann tut die Wahrheit nicht weh, sondern sie befreit uns von Ansichten, die wir für wahr hielten und das ist immer heilsam.

Jemandem die Meinung zu geigen, weil das jetzt einfach mal raus musste und meiner Wahrheit entspricht, ist nicht Ahimsa, welches nicht umsonst an erster Stelle steht. Den anderen nicht zu verletzen mit meiner Wahrheit, kann auch heißen zu schweigen, wenn es angebracht ist – das ist nicht gleichzusetzen mit Lügen.

Sich in jeder Situation für das Richtige zu entscheiden ist Weisheit – die hat man nicht einfach so, sondern man erlernt sie im Laufe des Lebens.

 

Deswegen: Don’t Worry, Be Happy And Live!